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Wahlumfrage | Sonntagsfrage Bundestagswahl & Umfragen
Das Bild zeigt eine Wahlumfrage bzw. Sonntagsfrage zur Bundestagswahl

Wahlumfrage | Sonntagsfrage Bundestagswahl & Umfragen

Aktualisiert am 
10.05.2026
Autor: 
Marco
Lesezeit: 
10 Min.

"Welche Partei würden Sie wählen, wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre?" – diese eine Frage steckt hinter dem Begriff Wahlumfrage, den die meisten als Sonntagsfrage kennen. Sie liefert ein Stimmungsbild, kein Wahlergebnis. Trotzdem prägt sie Schlagzeilen, politische Debatten und manchmal auch das eigene Wahlverhalten.

In diesem Artikel erfährst du, was eine Wahlumfrage genau ist, wie die großen Institute zur Bundestagswahl arbeiten, warum die Ergebnisse zwischen Forsa, Infratest dimap, INSA, Forschungsgruppe Wahlen und Allensbach abweichen können, was Schwankungsbreite und Repräsentativität wirklich bedeuten – und wie du selbst eine seriöse politische Online-Umfrage aufbaust, wenn du das Thema in einer Hausarbeit, einem Projekt oder im Unterricht behandelst.

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Inhalte in diesem Artikel:

Wahlumfrage und Sonntagsfrage einfach erklärt

Eine Wahlumfrage ist eine repräsentativ angelegte Befragung, die das aktuelle Stimmungsbild der Wahlberechtigten zu einer Wahl misst. Im deutschen Sprachgebrauch ist die bekannteste Form die Sonntagsfrage zur Bundestagswahl. Wichtig ist der Unterschied zur Wahl selbst:

  • Die Wahl misst, wie Menschen am Wahltag tatsächlich abstimmen.
  • Die Wahlumfrage misst, was Befragte zum Zeitpunkt des Anrufs, des Interviews oder des Online-Fragebogens angeben.

Die Sonntagsfrage ist also eine Momentaufnahme, kein Prognose-Werkzeug für ein konkretes Wahlergebnis Wochen später. Wer zwölf Wochen vor der Wahl 27 Prozent erreicht, kann am Wahltag bei 24 oder 30 Prozent landen – nicht weil die Umfrage falsch war, sondern weil sich Meinungen verändern.

Sonntagsfrage vs. Projektion

In den Tagen vor einer Wahl rechnen viele Institute aus den reinen Befragungswerten eine Projektion. Dabei werden zusätzliche Informationen wie die Sicherheit der Wahlentscheidung, das Erinnerungsverhalten oder das Wechselwählerpotenzial berücksichtigt. Die Sonntagsfrage zeigt, was die Befragten heute sagen. Die Projektion versucht abzuleiten, was daraus heute am Wahltag wahrscheinlich würde.

Warum die Frage "Sonntag" enthält

Der Sonntag steht symbolisch für den klassischen Wahltag in Deutschland. Die Formulierung "wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre" zwingt Befragte zu einer konkreten, situativen Entscheidung – nicht zu einer langfristigen Sympathiebekundung. Genau das macht den Wert der Sonntagsfrage aus.

Wer macht Wahlumfragen in Deutschland?

Eine einzige "offizielle" Wahlumfrage gibt es nicht. Mehrere Institute erheben die Sonntagsfrage parallel und im Auftrag unterschiedlicher Auftraggeber. Genau deshalb siehst du auf Übersichtsseiten oft mehrere Werte für dieselbe Partei nebeneinander.

Die fünf bekanntesten Institute zur Bundestagswahl:

  • Forsa – wöchentlich, unter anderem für RTL/n-tv (Trendbarometer) und Stern.
  • Infratest dimap – vor allem im Auftrag der ARD (DeutschlandTrend).
  • Forschungsgruppe Wahlen – bekannt durch das Politbarometer im ZDF.
  • INSA – regelmäßige Erhebungen, unter anderem für Bild.
  • Allensbach – Veröffentlichung in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Jedes Institut hat eigene Stichprobengrößen, eigene Erhebungsmethoden und eigene Gewichtungsverfahren. Das ist kein Bug, sondern Teil der wissenschaftlichen Arbeit. Wenn du Werte vergleichst, vergleichst du also nicht nur Parteien, sondern auch Methoden.

Auftraggeber sind nicht der Inhalt

Auch wenn ein Sender Auftraggeber einer Umfrage ist, beeinflusst das im seriösen Forschungsbetrieb nicht das Ergebnis. Die Institute arbeiten nach festen methodischen Standards. Diskussionen entstehen eher dort, wo Auftraggeber zusätzliche Sonderfragen zu Themen oder Politikern stellen lassen – also nicht bei der Sonntagsfrage selbst, sondern beim Beiwerk.

Methoden im Vergleich: Telefon, Online und persönliche Befragung

Auf den ersten Blick sehen alle Wahlumfragen gleich aus: eine Zahl pro Partei, manchmal mit "+1" oder "-1" gegenüber der Vorwoche. Methodisch unterscheiden sich die Institute aber deutlich. Die Verfahren werden zudem regelmäßig angepasst, eine Methodenmischung bleibt also kein statischer Status.

Telefonische Befragung (CATI)

Lange Zeit der Goldstandard in der deutschen Wahlforschung. Stichproben werden über Festnetz- und Mobilfunknummern gezogen, geschulte Interviewerinnen und Interviewer führen das Gespräch nach festem Leitfaden. Vorteile: hohe Kontrolle über die Interviewsituation und die Möglichkeit, Rückfragen zuzulassen. Nachteile: hohe Kosten und sinkende Erreichbarkeit, vor allem bei jüngeren Zielgruppen. Wenn du dich in die Methodik vertiefen willst, lohnt sich der Blick in unseren Beitrag zu telefonischen Befragungen.

Online-Umfragen

Hier füllen die Befragten den Fragebogen selbst am Bildschirm aus, in der Regel rekrutiert über Online-Panels. Online-Umfragen sind günstiger, schneller und decken auch Zielgruppen ab, die telefonisch kaum noch erreichbar sind. Die Herausforderung liegt in der Stichprobenkonstruktion: Wer nutzt das Panel, wer wird ausgewählt, wie wird gewichtet?

Eine fundierte Einführung zur Methode an sich findest du in unserer Übersicht zu Online-Umfragen.

Persönliche (mündliche) Befragung

Klassisch zu Hause oder am Arbeitsplatz, durch geschultes Interviewpersonal. Diese Methode ist in der Wahlforschung selten geworden, wird aber etwa von Allensbach in Teilen weiterhin eingesetzt. Vorteil ist die Tiefe, Nachteil sind Kosten und Aufwand.

Mehr dazu liest du in unserem Beitrag zu persönlichen Befragungen.

Mixed-Mode

Mehrere Institute kombinieren inzwischen Methoden, etwa Telefon und Online, um die Schwächen der einzelnen Verfahren auszugleichen. Welche Mischung wann zum Einsatz kommt, hängt vom Auftrag, vom Budget und von der Zielgruppe ab.

Wenn dich der Vergleich der Methoden grundsätzlich interessiert, schau dir unsere Übersicht zu den verschiedenen Befragungsarten an. Dort sind Vor- und Nachteile sauber gegenübergestellt.

Repräsentativität, Stichprobe und Schwankungsbreite

Wenn 1.000 Menschen befragt werden und eine Partei bei 22 Prozent landet, heißt das nicht, dass exakt 22,0 Prozent der Wahlberechtigten dieselbe Partei wählen würden. Jede Stichprobe hat eine statistische Unsicherheit. Genau das ist gemeint, wenn Institute eine Schwankungsbreite oder einen Fehlerbereich angeben.

Was Repräsentativität in der Wahlforschung bedeutet

Eine Stichprobe ist dann repräsentativ, wenn sie die Wahlberechtigten in den relevanten Merkmalen abbildet – etwa Alter, Geschlecht, Bildung, Region und politische Erinnerung. Erreicht wird das über zwei Schritte:

  • Stichprobenziehung: Auswahl der Teilnehmer nach festen Regeln, zum Beispiel Zufallsauswahl von Telefonnummern oder Quotenziehung im Online-Panel.
  • Gewichtung: nachträgliche Korrektur, falls bestimmte Gruppen über- oder unterrepräsentiert sind.

Ohne Gewichtung würden viele Online-Umfragen schon an einem einfachen Punkt scheitern: Junge, technikaffine Menschen sind oft überrepräsentiert, ältere Befragte unterrepräsentiert.

Schwankungsbreite verstehen

Bei einer Stichprobe von 1.000 Befragten und einem Anteilswert um die 20 Prozent liegt die Schwankungsbreite ungefähr bei plus/minus 2,5 Prozentpunkten. Bei kleineren Werten – etwa 5 Prozent – ist sie absolut betrachtet geringer, relativ zur Größe der Partei aber trotzdem relevant. Wer also liest, eine Partei sei "von 5 auf 6 Prozent gestiegen", sollte vorsichtig sein: Das kann ein echter Trend sein, es kann aber auch einfach im statistischen Rauschen liegen.

Eine Veränderung um einen Prozentpunkt ist in der Wahlforschung in den meisten Fällen kein Trend, sondern Schwankung.

Tipp: Wenn du selbst rechnen willst, wie groß deine Stichprobe für eine Befragung sein müsste, helfen dir unsere Online-Rechner weiter.

Sonntagsfrage und Wahlergebnis

Selbst eine perfekt erhobene Sonntagsfrage bildet nicht das Wahlergebnis ab. Drei Punkte erklären den Großteil der Differenzen:

  • Zeitpunkt: Meinungen ändern sich, vor allem in den letzten Wochen vor einer Wahl.
  • Wahlbeteiligung: Wer in der Umfrage eine Partei nennt, geht am Wahltag nicht automatisch wählen.
  • Soziale Erwünschtheit: Manche Parteien werden in Umfragen unter- oder überschätzt, weil Befragte ihre Antwort an dem ausrichten, was sie als sozial akzeptabel empfinden.

Typische Fehler beim Lesen von Wahlumfragen

Eine Wahlumfrage ist nur so nützlich wie der Blick, mit dem man sie liest. Hier die Fehler, die in Redaktionen, in Social Media und manchmal auch in Schulpräsentationen am häufigsten passieren – und wie du es besser machst.

  • Eine einzelne Umfrage überinterpretieren. Sinnvoller ist der Blick auf den Durchschnitt mehrerer Institute über mehrere Wochen.
  • Veränderungen innerhalb der Schwankungsbreite als Trend lesen. Plus eins, minus eins, plus eins ist meistens kein Trend, sondern statistisches Grundrauschen.
  • Sonntagsfrage und Projektion verwechseln. Erst kurz vor der Wahl liefern Institute eine echte Projektion. Davor ist es ein Stimmungsbild.
  • Methode ignorieren. Ein rein telefonisch erhobener Wert und ein gemischter Online-Telefon-Wert sind nicht 1:1 vergleichbar.
  • Auftraggeber als Beleg sehen. Auch ein Institut, das für einen bestimmten Sender arbeitet, kann methodisch sauber arbeiten – und umgekehrt schützt ein vermeintlich "neutraler" Auftraggeber nicht automatisch vor methodischen Schwächen.
  • Nicht-Wähler ausblenden. Eine Sonntagsfrage zählt in der Regel nur Antworten von Personen, die sich überhaupt für eine Partei entschieden haben. Unentschlossene und Nicht-Wähler verändern das Bild deutlich.

Praxistipp für Schule, Hausarbeit oder Bachelorarbeit

Wenn du eine Online-Umfrage für eine Bachelorarbeit oder Hausarbeit machst und dich an der Sonntagsfrage orientieren willst, übernimm nicht einfach die Frage. Frag zusätzlich ab, ob die Person überhaupt wählen geht und wie sicher die Entscheidung ist. Damit wird dein Ergebnis aussagekräftiger als eine reine "Wer würdest du wählen"-Abfrage.

Eigene politische Online-Umfrage seriös aufbauen

Vielleicht willst du keine bundesweite Sonntagsfrage replizieren, sondern in deiner Klasse, im Verein oder in einem Forschungsprojekt eine kleine Wahlumfrage machen. Das kann sehr hilfreich sein – vorausgesetzt, du machst es methodisch sauber.

1. Ziel definieren

Frage dich vor der Erstellung: Willst du das Stimmungsbild messen, Themenpräferenzen abfragen oder einen Wahlsimulationstest machen? Davon hängt der ganze Fragebogen ab.

2. Zielgruppe und Stichprobe klären

Wer soll antworten? Alle Wahlberechtigten in Deutschland zu erreichen, ist für ein privates Projekt unrealistisch. Sei ehrlich zur Reichweite: Eine Umfrage in einem Schul-Jahrgang ist keine repräsentative Erhebung, kann aber spannende Erkenntnisse liefern, wenn du sie als das benennst, was sie ist.

3. Frage präzise formulieren

Die klassische Sonntagsfrage funktioniert, weil sie konkret ist. Vermeide schwammige Formulierungen wie "Welche Partei findest du gut?". Besser:

"Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, welche Partei würdest du wählen?"

Wenn dich die Logik der Frageformulierung tiefer interessiert, findest du in unserem Beitrag zum Fragebogen erstellen eine ausführliche Anleitung.

4. Antwortoptionen sauber wählen

Liste alle relevanten Parteien auf, ergänze "andere Partei", "weiß noch nicht" und "würde nicht wählen". Sonst zwingst du Befragte in eine Kategorie, die nicht passt – und verzerrst dein Ergebnis.

5. Anonym und freiwillig erheben

Politische Antworten sind sensibel. Stelle die Umfrage anonym bereit und mach klar, dass die Teilnahme freiwillig ist. Das erhöht nicht nur die Antwortqualität, sondern ist auch beim Thema Datenschutz und DSGVO der saubere Weg.

6. Tool auswählen

Ein gutes Tool spart Stunden bei Auswertung und Visualisierung. Wenn du noch keinen Anbieter hast, ist unser Vergleich der Umfrage-Tools ein guter Startpunkt.

7. Ergebnisse ehrlich einordnen

Schreibe in die Auswertung dazu, wie du erhoben hast, wie groß die Stichprobe war und was sie nicht leistet. Eine kleine Befragung mit 80 Antworten ist kein Politbarometer – und das ist auch in Ordnung, solange du es transparent machst.

Autor des Artikels

Marco

Marco ist Teil unseres Experten-Teams. Seit 2018 führt er erfolgreich Umfragen in Unternehmen durch und teilt seine Erfahrungen hier bei Online-Umfrage.org.

Häufige Fragen

Was ist eine Wahlumfrage?

Wie genau ist die Sonntagsfrage?

Welche Institute machen Wahlumfragen in Deutschland?

Warum unterscheiden sich Wahlumfragen verschiedener Institute?

Wie kann ich selbst eine Wahlumfrage erstellen?

Online-Umfragen einfach mit KI erstellen

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